Pangborn Sensory Science Symposium in Edinburgh

Beim Pangborn Smposium Anfang August in Edinburgh wurden dieses Jahr alle Rekorde gesprengt: Mit 1.168 Teilnehmenden aus 50 Ländern war es das bisher größte internationale Sensorik Symposium. Der internationale Charakter des Meetings war spürbar und am Mittwoch wurde offiziell das African Network for Sensory Evaluation Research gegründet 👍

Hier mein persönlicher Eindruck:

In Schottland werden Traditionen ja bekanntlich hoch gehalten: vier Dudelsackspieler eröffneten die Konferenz und geleiteten das Organisationskomitee auf die Bühne. Beim Eröffnungsabend konnte man Ceilidh tanzen lernen, den Dudelsack ausprobieren und sich in schottischen Jahrmarktspielchen messen. Beim Whisky-Dosenschießen war ich grottenschlecht, beim Ringe werfen konnte ich immerhin ein Unentschieden gegen meinen kanadischen Herausforderer erzielen 😅 Ja, die Schotten wissen, wie man feiert und der Konferenzauftakt war durchaus gelungen! 🤩

 

Das wissenschaftliche Programm war von der Anzahl her überwältigend und abgesehen von den Keynotes gab es jeden Tag fünf (!) Parallelsessions. Erstmals wurden zusätzlich zu Vorträgssessions, Flash Präsentationen und Workshops sogenannte Learnshops angeboten, von denen ich zwei besucht habe. Beide waren sehr interaktiv gestaltet und boten Raum für Diskussionen, Fragen und kurze Gruppenarbeiten. Eigentlich genau das, was ein Workshop normalerweise bieten sollte. Die meisten “Workshops” auf Konferenzen sind ja eher enttäuschend, da sie sich nicht wirklich von Vortragsreihen unterscheiden und aufgrund von mangelnder Disziplin beim Zeitmanagement am Ende die Zeit für Diskussionen und Interaktionen fehlt. Insofern begrüßenswert, dass mit dem neuen Format Platz dafür geschaffen wurde!

Ein paar Notizen zu den von mir besuchten Talks und Sessions: 📝

–          Mikel Cirkus eröffnete die Konferenz mit einem Plädoyer dafür, die Augen offen zu halten und Strömungen bzw. Geisteshaltungen der Konsumenten zu erkennen, bevor sie zu Trends werden (z. Bsp. durch das Beobachten von Street Art). Consumer Research ist für ihn eine Mischung aus Kunst, Wissenschaft, Mathematik und Magie. Sehr anschaulich demonstrierte er, wie er Kollagen und Wortassoziationen zu mehreren Strömungen wie Superheros, Human, Female und anderen Schlagwörtern sammelte. 🦸🔬 👩‍🎨🧙‍♂️

–          Maduran Wikneshwaran gab am Beispiel eines Haarföns einen unterhaltsamen Einblick in die Produktentwicklung bei Dyson und unterstrich die Bedeutung der Emotionen beim Kauf und bei der Verwendung von Produkten – auch bei Haushaltselektronik. 😍😡😳😊

–          Clare Dus, Darla Hall und Ratapol Teratanavat erzählten in einem Learnshop von ihren Erfahrungen mit qualitativer Sensorik- und Konsumentenforschung. Ihrer Meinung nach ist die größte Herausforderung den Bias der Forscher zu überwinden und vorurteilsfrei an Fokusgruppen und Interviews heranzugehen. 👩‍💻👥

–          Einen Blick in die Zukunft gewährte Nimesha Ranainghe mit seinem Vortrag über Augmented und Virtual Flavours. Wie schön wäre es, wenn wir mit unseren Freunden am anderen Ende der Welt über Skype einen Cocktail trinken könnten? Das könnte früher möglich sein, als gedacht… Ranainghe präsentierte Schüsseln, Ess-Stäbchen, Löffel und eine Trinkflasche, in die Elektroden eingebaut wurden, um Geschmackswahrnehmungen zu stimulieren und zu verstärken. So kann z.Bsp. eine virtuelle Limonade simuliert werden. Vielleicht können auch wir bald einen Vocktail – also einen virtuellen Cocktail – genießen!? 💻🍹🥤

Ludovic Deporteere bei seiner Keynote.

–          Ludovic Deporteere sah die Zukunft im sensorischen Storytelling und meinte, dass sensorische Daten noch viel stärker genutzt werden sollten, um einen Impact in der Produktentwicklung zu generieren. 👩‍💼 🗣🙋‍♀️💬

–          Auf Sensorik in der QS von KMUs fokussierte der Learnshop von Lindsay Barr, Brooke Bell, Becky Bleibaum und Matt Conyer. Die Teilnehmenden gründeten eine eigene Craft Brauerei, mussten die angestrebte Qualität des Bieres festlegen und die ersten Chargen überprüfen. Der Learnshop war unterhaltsam, lehrreich und kurzweilig – ein Musterbeispiel dafür, wie so ein Format umgesetzt werden kann! 🍻 📋🤹🏽‍♀️💭

Laura Forsman sprach über wenig genutzte Rohstoffe.

–          Am letzten Tag gab es eine Session zum wichtigen Thema Global Ressource Challenges, in der Lebensmittelabfälle, Fleischreduktion, nachhaltige Produktionen und das Nutzen von alternativen Produkten für die Lebensmittelproduktion thematisiert wurden. Dass uns diese Themen in den nächsten Jahren begleiten werden, daran besteht kein Zweifel – man muss sich nur das Motto der nächsten Konferenz ansehen (siehe unten). 💚🌎🌾🐮

Fazit:

Das Pangborn Sympsoium war top durchdacht und organisiert, die Location mitten in Edinburgh gelegen und die langen Pausen ließen genug Platz zum Netzwerken und für gute Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen. Für mich persönlich war es bisher die beste Sensorikkonferenz und ich konnte mir sehr viel Inspiration mitnehmen. 👏🌟🤩

Nächstes Pangborn Symposium:

Das 14. Symposium wird noch stärker auf Nachhaltigkeit eingehen und unter dem Titel “Sustainable Sensory Science” von 8. bis 12. August 2021 unter dem Vorsitz von Chris Findlay und Anne Goldman in Vancouver ausgetragen werden.