Im August war ich live bei „Studio 2“ auf ORF 2 zu Gast. Vor mir standen weiße Schüsserl mit verschiedenen Salzen und zwei Gläser Tonic.
Barbara Karlich hat zuerst das Tonic pur gekostet. Es schmeckte klar, bitter und leicht süß. Dann hat sie aus dem zweiten Glas getrunken. Darin war eine winzige Prise Salz.
Die Bitterkeit trat zurück, Süße und Zitrusnoten kamen nach vorne. Es war dasselbe Getränk.
Süß, bitter und umami erkennt Deine Zunge über Rezeptoren. Der Geschmacksstoff dockt dort an wie ein Schlüssel im Schloss. Bei Salz ist das anders. Die Natrium-Teilchen strömen durch eigene Kanäle direkt in die Geschmackszelle.
So dämpft Salz Bitteres und hebt Süße und Aroma hervor. Das kennst Du aus der Küche:
Diese Frage kam im Interview auch. Salz holt das Tomatenaroma hervor und hebt die Süße. Zucker gleicht die Säure aus, und das hilft bei unreifen Tomaten. Bei einer reifen Tomate reicht Salz.
Einen Würfelzucker kannst Du pur essen. Er schmeckt einfach süß. Einen Löffel Salz kannst Du nicht pur essen.
Salz ist der einzige Grundgeschmack mit zwei Gesichtern. Bis zu einer bestimmten Menge mögen wir es sehr. Ab einem Punkt kippt es: Aus „genau richtig“ wird „zu viel“, bis hin zum Ekel.
Dieser Umschlagpunkt ist das Warnsystem Deines Körpers. Du brauchst Natrium für jeden Nervenimpuls und jede Muskelbewegung, aber zu viel davon schadet.
Kann man sich mit Salz vergiften?
Ja, dafür bräuchte es aber mehrere Esslöffel auf einmal. So viel bekommt kaum jemand hinunter, eben weil es so abstoßend schmeckt. Bei Babys und Kleinkindern liegt die gefährliche Menge viel niedriger. Deshalb gehört Salz nicht in Babynahrung.
Chemisch ist fast jedes Salz dasselbe, nämlich Natriumchlorid. Den Unterschied macht die Kristallform. Sie bestimmt, wie schnell das Salz auf der Zunge schmilzt. Und schmecken kannst Du Salz erst, wenn es sich löst.
Den Unterschied macht nicht das teuerste Salz, sondern Dein Wissen darüber, was es tut.
Die Industrie kann Salz nicht einfach weglassen. Es beeinflusst auch Textur, Haltbarkeit und Teigstruktur. Deshalb arbeitet sie mit mehreren Tricks:
Arbeitest Du in der Produktentwicklung an salzreduzierten Rezepturen? Dann muss Dein Sensorikteam kleine Unterschiede sicher erkennen und benennen können. Wie das geht, zeige ich in meinen Sensorikschulungen für Teams.
Mach den Tonic-Test: Füll zwei Gläser, eines pur und eines mit einer winzigen Prise Salz. Wie viel Bitterkeit verschwindet?
Schmeck Suppen und Saucen bei Esstemperatur ab, nicht kochend heiß. Die Temperatur verändert, wie salzig Du etwas wahrnimmst.